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Von Rasierern und toxischen Männern

Mann_der_ZukunftQuelle: Wikimedia

Die Rasierer-Marke Gillette hat mit ihrem neuen Werbespot in ein Wespennest gestochen. Dieser thematisiert das Thema Männlichkeit auf ganz andere Weise als erwartet: Anstatt athletische Männerkörper zu präsentieren, bricht der Hersteller eine Lanze für Hilfsbereitschaft, respektvollen Umgang und mehr Menschlichkeit. Dass der Marke dafür massiver Protest entgegenschlägt, liegt nicht an dem Bekenntnis zu diesen Tugenden. Der Grund ist, dass Gillette in dem Video ein Männerbild kritisiert, das lange Zeit als richtig und natürlich betrachtet wurde. Die Debatte wirft viele Fragen auf. Wie männlich dürfen (oder müssen) Männer sein? Ein Thema, das so zeitlos ist, wie beispielsweise das Glücksspiel – egal, ob in Monte Carlo oder im Online-Casino.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Ein traditionelles Männerbild basiert auf Eigenschaften wie Dominanz, Aggression und Stärke. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es normal, (männlichen) Kindern beizubringen, dass ein "Indianer nicht weint". Gefühle zu zeigen, war den Mädchen vorbehalten. Zumindest, wenn es um Emotionen wie Traurigkeit oder Kummer ging. Männer hatten stark und unverwüstlich zu sein. Übertrieben gesagt war es ihre Aufgabe, Bären zu jagen und Wölfe zu vertreiben. Dinge, bei denen man sich keine Schwäche leisten konnte. Hinzu kam eine komplett falsche Interpretation von Darwins Evolutionslehre: Das Überleben des Stärkeren galt lange Zeit als Credo der Menschheit. Tatsächlich hatte Darwin davon gesprochen, dass die besten Überlebenschancen jener Spezies gehören, die sich am besten an ihre (veränderliche) Umwelt anpassen kann. Außerdem: Was ist Stärke? Ist sie ein Merkmal des Pausenhofschlägers, der Schwächere verprügelt? Viele haben es so gesehen. Ein Blick auf Gewichtheber relativiert dieses Bild. Hier äußert sich Stärke in der Fähigkeit, Gewichte zu heben und zu tragen. Tatsächlich definierten schon die japanischen Ninjas Stärke als die Fähigkeit, widrige Umstände und Leiden zu ertragen. Vom Herumtrampeln auf Schwachen war keine Rede.

Toxische Männlichkeit und die Folgen

Mittlerweile gelten die alten Vorstellungen von Männlichkeit als überholt. Mehr noch, sie werden als toxisch bezeichnet. Der Zeitgeist sieht in ihnen die Ursache für Kriege, Unterdrückung, Diskriminierung und viele üble Dinge mehr. Der amerikanische Psychologenverband APA geht einen Schritt weiter: Seiner Ansicht nach ist traditionelle Männlichkeit psychisch schädlich. Sie würde Männer verstärkt ins Krankenhaus, Gefängnis oder sogar in den Tod treiben. Der Zwang, Gefühle zu verberge, führe zu chronischen Stress und Depressionen, so der Verband.

Manche sind der Meinung, die Psychologen würden zu weit gehen. Besonders, wenn Sie Eigenschaften wie Abenteuerlust und Risikofreude in die Liste der schädlichen männlichen Eigenschaften einreihen. Ist es psychisch schädlich, wenn Männer Boot fahren, Berge besteigen oder Abenteuerurlaub machen? Sicherlich ist dies Haarspalterei. Dass der Verband unmissverständlich weiße Männer zum Feindbild erklärt, ist indes genauso kritisch zu betrachten. Eine Dämonisierung nach Geschlecht und Hautfarbe ist letztlich genau das, was es loszuwerden gilt. Abgesehen davon, dass es auch den Frauen nicht hilft, das an ihnen praktizierte Fehlverhalten nun am anderen Geschlecht zu wiederholen ...

Die Menschheit im Wandel

Ungeachtet dieser Dinge zeigt sich, dass die Gesellschaft sensibler für Dinge geworden ist, die früher niemanden störten. Ein Umstand, den auch ein Vater aus Texas zu spüren bekam: Als sein Sohn an einem Lego-Turnier teilnahm, postete der Radiomoderator spöttische Kommentare auf Twitter. Dabei machte er sich über den Namen eines der Teams lustig und sprach von den anwesenden depressiven Vätern, die sich wünschten, ihre Kinder würden Football spielen. Die Folge waren gehässige Reaktionen von allen Seiten. Ein Kommentator sah im Sohn des Texaners einen künftigen Ingenieur, der seinen Vater für die Tweets ins Altenheim stecken würde. Auch die restlichen Kritiker sparten nicht mit bösen Worten.

Diese und ähnliche Vorfälle werfen die Frage auf, ob es richtig ist, Wind mit Sturm zu bekämpfen. Heiligt der Zweck die Mittel? Ist toxisches Verhalten nicht mehr schädlich, wenn es sich gegen jene richtet, die wir dafür kritisieren? Fragen, mit denen die Gesellschaft sich befassen muss, wenn sie voranschreiten will. Dabei prallen unweigerlich Welten aufeinander. Was seit Jahrhunderten als gut und richtig befunden wurde, lässt sich nicht über Nacht ausmerzen. Vor allem sind Hass und Beschimpfungen auf Dauer kein gangbarer Weg. Sie verursachen nur Widerstand und weitere Wut. Am Ende stehen sich verfeindete Fraktionen gegenüber, die in ihren Sichtweisen erstarren. Fortschritt sieht anders aus ...

Hat traditionelle Männlichkeit ausgedient?

Manche sind der Ansicht, die Rasierer-Marke hätte sich mit dem Werbespot ein Eigentor geschossen. Ihrer Meinung nach greift der Hersteller genau jene an, die seine Produkte kaufen, also die Männer. Ob es eine gute Idee war, können nur künftige Umsatzzahlen verraten. Immerhin hat Gillette es geschafft, mit dem Video ins Gespräch zu kommen.

Die Diskussion um toxische Männlichkeit mag in manchen Punkten absurd sein. Dennoch ist sie hilfreich. Sie bietet die Chance, traditionelle Ansichten zu hinterfragen. Dass das traditionelle Bild von Männlichkeit einer Renovierung bedarf, lässt sich nicht abstreiten. Ob es gleich ins andere Extrem gehen muss, ist zumindest diskussionswürdig. Am Ende wird sich aus all dem etwas Neues und Besseres entwickeln. Im Optimalfall sogar etwas mehr persönliche Freiheit. Letztlich sind wir alle Individuen und sollten dies auch sein dürfen. Ein "Weinverbot" für Männer ist ebenso absurd wie der Zwang, künftig weinen zu müssen.

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